E-paper - 26. Oktober 2011
Fränkische Zeitung

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Der Hundeversteher

Fernsehstar Martin Rütter im Interview

Bayreuth - Die einen halten ihn für einen Selbstdarsteller, die anderen für den fähigsten Hundeversteher und Hundeerklärer der Nation, den Hundetrainer Martin Rütter.

Beim Fernsehsender VOX löst er samstags in einer Stunde zwei Problemhundefälle – charmant und mit viel Humor. Es sind die klassischen Geschichten: Ist Bello zu stürmisch? Oder der Jogger nur intolerant? Ist Klingeln immer gleich Kläffen? Und wenn ja: Wer hat ihm das beigebracht?

Mit „Hund-Deutsch, Deutsch-Hund“ kommt Martin Rütter am Dienstag, 15. November, in die Oberfrankenhalle, um die Psyche von Mensch und Hund mit einem Augenzwinkern zu erklären.

Die FZ sprach vorab mit Martin Rütter:

Herr Rütter, wann haben Sie Ihre „Hundeseele“ entdeckt? Warum sind Sie Hundetrainer geworden?

Ich hatte schon immer einen Draht zu Hunden, obwohl ich als Kind keinen Hund haben durfte, da meine Eltern auch heute noch jedes Tier als überflüssig ansehen, das man nicht auf den Grill legen und essen kann. Ich habe aber bereits in meiner Jugend die Hunde der Nachbarn ausgeführt und die Hunde meiner Tante ohnmächtig gekrault. Die hatte in den 80-er Jahren so eine Art Pflegestelle für gestrauchelte Vierbeiner. Doch bei all ihrer Fürsorge für die Tiere besaß meine Tante eine ganze spezielle Gabe: Sie schaffte es, Hunde, die anfangs ganz toll waren, binnen weniger Wochen völlig verrückt zu machen, so dass man das Haus nicht mehr betreten konnte. Mich hat schon damals brennend interessiert, warum so viele Menschen um mich herum Probleme mit ihren Hunden haben.

Hundeprofi werden, wie geht das?

Den einen Königsweg gibt es nicht. Ich selbst habe zunächst massig Literatur verschlungen. Später habe ich Tierpsychologie an einer Privatakademie für Tierheilkunde in der Schweiz studiert und war in Wolf-Aufzuchtstationen.

Die Initialzündung für meinen heutigen Beruf war schließlich 1992 bei einem längeren Australien-Aufenthalt, als ich mich intensiv mit dem Leben australischer Wildhunde (Dingos) auseinandergesetzt habe.

Mit wem arbeiten Sie lieber, mit dem Herrchen/ Frauchen oder mit dem Hund?

Ich beschäftige mich mit beiden Spezies super gerne, sprich mit dem Mensch-Hund-Team.

Gibt es bei Hunden so etwas wie „hoffnungslose Fälle“, Hunde, denen Sie nicht helfen konnten?

Der Fall des unerziehbaren Hundes existiert zum Glück nicht so oft. Wenn aber die Mensch-Hund-Beziehung durch Kommunikationsmissverständnisse so belastet ist, dass ein Zusammenleben nur noch Stress für beide Parteien bedeutet, muss man in Erwägung ziehen, den Hund in eine andere Umgebung abzugeben.

Dann würden wir gerne noch wissen: wie geht es Ihrer Hündin Mina, von der bei ihren Vorträgen oft die Rede ist?

Ich hoffe und glaube fest, es geht ihr gut. Sie befindet sich mittlerweile im Hundehimmel und passt von dort oben auf, dass ich hier unten keinen Unfug mache. bho

Fraenkische Zeitung vom Mittwoch, 26. Oktober 2011, Seite 2 (279 Views)

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